Online-Marketing-Blog Heroshot

Amazons Frontalangriff auf den stationären Einzelhandel

Schlauen Sie sich auf

Amazons Frontalangriff auf den stationären Einzelhandel Amazons Frontalangriff auf den stationären Einzelhandel - Mobile
13.02.2014

Amazons Frontalangriff auf den stationären Einzelhandel

In meinem Blogartikel "Ist der E-Commerce der Totengräber des stationären Einzelhandels?" aus dem Mai 2013 habe ich die Vorbehalte des klassischen stationären Einzelhandels gegenüber dem Internet respektive dem E-Commerce diskutiert. Die in diesem früheren Blogartikel thematisierte Diskussion erhält nun neue Nahrung durch eine neue Funktion in der amerikanischen Amazon App.

Ist der E-Commerce der Totengräber des Einzelhandels?

Müssen stationäre Einzelhändler tatsächlich Angst vor dem Internet haben? Was ist dran an der kolportierten Rolle des E-Commerce als Totengräber? Oder ergeben sich eventuell nicht vielmehr sogar faszinierende neue Chancen und Möglichkeiten? Die Antwort ist - wie so oft im Leben - nicht eindeutig.

Die vielleicht wichtigste Chance, die sich für den stationären Einzelhandel aus dem Internet ergibt, ist die Etablierung zusätzlicher Kundenkommunikationskanäle. Denn: Für die direkte Kommunikation mit dem Kunden gibt es im stationären Einzelhandel per se zunächst „nur“ das Ladengeschäft. Gerade durch das Internet bieten sich dem stationären Einzelhandel nun vielfältige Möglichkeiten bei potentiellen Kunden einerseits sichtbar zu werden (z. B. Online-Banner, Suchmaschinenmarketing, soziale Netzwerke wie Facebook) und andererseits diese zu informieren (z. B. über die eigene Webseite). Auch die lokale bzw. regionale Ausrichtung von entsprechenden Marketing- und Informationsmaßnahmen stellt mittlerweile kein Problem mehr da.

Natürlich, und gar keine Frage, bestehen durchaus auch nicht zu vernachlässigende Risiken für den stationären Einzelhandel. Beispielsweise kann die durch Onlineshops nachhaltig unterstützte „Couch-Orientierung“ (sprich Bequemlichkeit) vom stationären Ladengeschäft nicht ohne weiteres kompensiert werden. Ebenso genannt werden muss natürlich das weiterhin rasante Wachstum des E-Commerce ganz allgemein. Das heißt: Allein der übergeordnete Trend hin zum E-Commerce ist sicher ein Risiko. Stationäre Einzelhändler können diesen Trend nicht ignorieren, ja dieser Trend zwingt sie geradezu sich mit dem Internet und seinen Möglichkeiten auseinanderzusetzen.

Und jetzt aber? Was macht Amazon aktuell?

Die Überschrift der Meldung bei t3n vom 11.Februar 2014 zu der seit kurzem in den USA verfügbaren neuesten Version der Amazon App liest sich durchaus spektakulär: "Amazon Flow: Ist Amazons neue App der Anfang vom Ende des Einzelhandels?" In der Meldung heißt es: "Und diese Version hat eine neue Funktion bekommen, die es in sich hat: Amazon Flow. Mit diesem Feature werden – zusätzlich zum Barcode-Scan – Produkte anhand der Verpackung erkannt. Die App erkennt das Produkt anhand der Gestaltung und bietet direkt eine Bestellung bei Amazon an."

Mit dieser Funktion fährt Amazon tatsächlich große Geschütze gegen die stationären Einzelhändler auf.

Aber warum?

Weil es jetzt gerade für "Otto Normalverbraucher" (d.h. ich rede jetzt also nicht von den Hardcore-Shopping-Fans und Shopaholics) noch einfacher wird, in ein Geschäft zu gehen, sich zunächst beraten zu lassen bzw. das Produkt "anzufassen", um dann anschließend die in vielen Fällen sicher günstigere Bestellung bei Amazon. Kein Einlesen von Barcodes mehr, kein kompliziertes Recherchieren, Informieren und Navigieren in Preisvergleichsportalen mehr. Stattdessen: Foto machen, kaufen, fertig! Gerade die Hürde für mobile Bestellungen "unterwegs" bei Amazon wird sicher stark sinken.

Und das ist durchaus als ein Frontalangriff einzuordnen! Aktuell ist diese Funktion für Deutschland zwar noch nicht verfügbar, allerdings dürfte es nicht sehr lange dauern bis Amazon für Deutschland nachzieht. Auch der deutsche stationäre Einzelhandel tut gut daran sich zumindest mittelfristig neue Strategien und Ansätze zu überlegen, wie auf solche Apps reagiert wird. Nur die – oft sogar durchaus überschätzte - Beratung alleine kann es nicht sein.