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Das Social Enterprise: 5 Fragen an Robert Szilinski (CEO der esentri AG)

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11.05.2013

Das Social Enterprise: 5 Fragen an Robert Szilinski (CEO der esentri AG)

BM: Hallo Herr Szilinski. Schön, dass es mit unserem Interview klappt. Lassen Sie uns zunächst über das Thema Enterprise 2.0 bzw. das Social Enterprise ganz allgemein sprechen. Wie stark sind die Ideen von Offenheit, Transparenz und direkter Kommunikation in deutschen Unternehmen bereits angekommen?

RS: Im Vergleich zu den USA entwickelt sich der Enterprise 2.0 Gedanke eher langsam in Deutschland. Vor allem bei Kleinunternehmen und im Mittelstand. Konzerne sind da etwas mutiger. Im Grunde kann man das gut mit der Nutzung von öffentlichen sozialen Netzwerken wie beispielsweise facebook im Rahmen der Unternehmenskommunikation vergleichen. Auch da sind viele deutsche Unternehmen noch vorsichtig und warten erst mal ab wohin die Reise geht.

BM: Was sind aus Ihrer Sicht Chancen des Social Enterprise? Was sind Risiken?

RS: Ich habe ja mein eigenes Unternehmen quasi von Anfang an als ein Social Enterprise aufgebaut und kann daher aus eigener Erfahrung sprechen. Was wir persönlich für uns feststellen, ist, dass wir trotz sehr dezentraler Strukturen eine gut funktionierende Kommunikation haben. Bemerkenswert dabei ist der interne Austausch der Mitarbeiter untereinander, insbesondere die Bereitschaft Wissen zu teilen und sich gegenseitig bei Fragen zu helfen. Auch kleine und große Innovationen können so vorangetrieben werden, ohne dass alle Mitarbeiter zwingend an einem Standort sitzen und brainstormen.

Dazu ein paar Zahlen aus einer Bitkom-Studie, die unsere Erfahrung auch widerspiegelt: 73 Prozent derjenigen, die Social Software im Einsatz haben, stellen ein besseres internes Wissensmanagement fest, 72 Prozent sehen einen positiven Effekt für die interne Kommunikation, 58 Prozent haben ihre Kommunikation zwischen Unternehmensstandorten verbessert. Auch das Projektmanagement haben 50 Prozent der Unternehmen optimieren können.

Risiken sind weiterhin die Informationsüberflutung, der man allerdings softwareseitig mit entsprechenden Filterfunktionen beikommen kann. Und es muss darauf geachtet werden, dass nicht wahllos alles Mögliche gepostet und unkommentiert stehen gelassen wird. Eine Nachricht im internen Social Network muss genauso verbindlich behandelt werden wie eine E-Mail. Außerdem ist das Thema Datenschutz hierbei natürlich ein ganz besonderes. Gerade in Deutschland ein sehr heikles Thema. Daher müssen zwingend bei der Einführung von Social Software die Richtlinien der Unternehmens-IT berücksichtig werden.

BM: Ergänzend dazu: Wie sieht der Weg hin zum Social Enterprise idealerweise aus? Was muss man tun?

RS: Klar sein muss jedem, dass es sich hierbei um einen Kulturwandel im Unternehmen handelt. Nur die Einführung einer entsprechenden Software reicht nicht aus und ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Es muss vielmehr eine Veränderung der Kommunikation stattfinden. Sie ist viel offener, die Tendenz geht zum Teilen von Informationen, weg von der 1:1-Kommunikation. Das erfordert viel Umdenken seitens der Unternehmensführung bzw. des Managements. Als ersten Schritt sollte ein Ansprechpartner in der Organisation definiert werden, der das Thema hauptverantwortlich treibt und nach und nach ausrollt.

BM: Jetzt ist es aber natürlich so, dass selten alles ideal funktioniert. Mit welchen Schwierigkeiten müssen Unternehmen auf dem Weg hin zum Social Enterprise rechnen?

RS: Hauptschwierigkeit ist, dass in der Regel nicht alle Mitarbeiter sofort mitziehen. Erfahrungsgemäß fällt es jüngeren Mitarbeitern leichter sich auf die veränderte Kommunikationskultur einzustellen, da sie oftmals privat schon viel in sozialen Netzwerken unterwegs sind. Die Entwicklung zu einem vollwertigen Social Enterprise ist ein Prozess und braucht seine Zeit. Es ist ratsam, zunächst mit einer kleinen, Social Media-affinen Gruppe im Unternehmen zu beginnen und das Thema nach und nach weiter auf weitere Teams auszurollen. Die Einführung einer Social Software mit dem zugehörigen Wandel der Kommunikation muss als eigenes Projekt gesehen und Schritt für Schritt im Unternehmen ausgerollt werden. Beim Enterprise 2.0 verschwimmen die Grenzen zwischen Kunden, Interessenten und Auftraggebern. Diese Offenheit ist für Digital Natives eine Selbstverständlichkeit, für andere bedeutet es Kontrollverlust. Den Führungskräften kommt dabei eine besondere Vorbildfunktion zu. Gerade sie sollten zu Beginn sehr aktiv sein und die Mitarbeiter motivieren, sich ebenfalls in das interne Netzwerk einzubringen.

BM: Letzte Frage – bzw. eigentlich vier. Bezogen auf das Social Enterprise: Wie beginnt man? Wie steigt man ein? Was ist wichtig? Was ist weniger wichtig?

RS: Grundlegend ist, dass Social Enterprise als moderne Firmenphilosophie verstanden wird, die fest in der Führung- und Kommunikationskultur verankert ist. Eine Social Software ist Mittel zum Zweck und hilft, die Philosophie ins Unternehmen zu tragen und täglich zu leben.

Unternehmen, die eine entsprechende Software einführen möchten, lege ich drei Punkte ans Herz. Erstens: klein starten. Für den Anfang bieten sich Kollegen an, die auch im privaten Umfeld gerne neue Anwendungen oder Apps ausprobieren oder sehr aktiv in privaten sozialen Netzwerken sind. Am besten startet man mit einer ausgewählten Gruppe ein erstes Testprojekt und sammelt erste Erfahrungen. Zweitens: Key-User definieren, die auf spezielle Fragestellungen eingehen. Diese zentralen Ansprechpartner sollten von Zeit zu Zeit auch aktiv nach den Unsicherheiten oder Problemen fragen und Anwendungsbeispiele intern weitertragen. Die dabei entstehenden “Best Practices” helfen, Prozesse zu verschlanken und somit die Plattform über Teamgrenzen hinaus zu etablieren. Und nicht zuletzt: konsequent bleiben! Im Rahmen von regelmäßigen “Round up´s” sollten gerade zu Beginn die Erfahrungen intern besprochen werden. Oft sind es weniger Probleme von technischer Seite aber oft viele fachliche Fragestellungen zur Strukturierung einzelner Arbeitsabläufe. Diese Fragen sollten gemeinsam beantwortet und anschließend als Workflow definiert werden.

BM: Lieber Herr Szilinski, herzlichen Dank für dieses Interview.