Online-Marketing-Blog Heroshot

Die Shareconomy – Vom Haben zum Teilen!

Schlauen Sie sich auf

03.04.2013

Die Shareconomy – Vom Haben zum Teilen!

Mit der CeBIT 2013 rückte ein zwar nicht ganz neuer, aber zumindest doch noch nicht sehr häufig zu lesender Begriff in den Fokus von Messebesuchern, Medien, und Unternehmen – die "Shareconomy". In diesem Blogartikel möchte ich – ausgehend von einer kurzen Begriffsdefinition – die Bedeutung der Shareconomy für Unternehmen einordnen und auch einige aktuelle Studienergebnisse zum Thema Shareconomy zusammenfassen.

Shareconomy – Was ist das?

Erstmals verwendet wurde der Begriff Shareconomy (oder Share Economy) von dem Harvard-Ökonomen Martin Weitzman. Seine Kernthese: Der Wohlstand unter den Teilnehmern eines Marktes steigt, umso mehr unter allen Marktteilnehmern geteilt wird. Seit einiger Zeit wird die These von Martin Weizman nun auf Inhalte im Internet übertragen.

Mit dem Begriff Shareconomy wird dabei die Situation bezeichnet, dass Inhalte (also Daten, Informationen, Wissen) nicht mehr ausschließlich durch Internetnutzer konsumiert werden, sondern Internetnutzer zunehmend auch zu Verteilern oder Distributoren werden. Verteilung kann an dieser Stelle das Verschicken eines Artikels per E-Mail an eine andere Person oder das Teilen von Inhalten (wie z. B. Videos, Fotos, Rezensionen) mit vielen Anderen beispielsweise über Twitter oder Facebook meinen. Auch wenn viele Personen mit vielen anderen Personen Inhalte gemeinsam erstellen und teilen, wie es z. B. bei Wikipedia der Fall ist, spricht man von einer Shareconomy; diese letzte Charakterisierung wurde von Don Tapscott bereits mit dem Begriff Wikinomics umbeschrieben.

Video: BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf zum Thema Shareconomy (Quelle: YouTube).

Sehr prägnant und kompakt definiert Frank Pörschmann, CeBIT-Vorstand der Deutschen Messe AG den Begriff Shareconomy: "Shareconomy beschreibt die Veränderung des gesellschaftlichen Verständnisses vom Haben zum Teilen." Tatsächlich kann man es so kompakt auf den Punkt bringen - "vom Haben zum Teilen"!

Bedeutung der Shareconomy!

Pörschmann unterscheidet darüber hinaus auch verschiedene Betrachtungsdimensionen einer Shareconomy: "Zunächst hat die Shareconomy entscheidenden Einfluss auf Prozesse in Unternehmen, da Social-Media-Instrumente immer populärer werden. Zweitens ist das Netz der Ort des Teamworks, innerhalb des Unternehmens und darüber hinaus. Partner, Berater, Lieferanten und Kunden werden intensiver eingebunden und Teil eines vernetzten Prozesses. Die Grenzen zwischen Unternehmen und Organisationen werden immer durchlässiger. Dazu müssen auch Mitarbeiter und Manager umdenken und bereit sein, Wissen, Kontakte und Ressourcen zu teilen."

Passend und ergänzend dazu, skizziert BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf in seiner Eröffnungsrede zur CeBIT 2013 fünf Auswirkungen der Shareconomy auf Unternehmen respektive die Wirtschaft ganz allgemein (Zitate aus der Eröffnungsrede von Prof. Schempf sind im Nachfolgenden kursiv formatiert):

(1) In der Shareconomy entsteht eine neue Macht der Verbraucher. Diese neue Macht zeigt sich dadurch, dass Verbraucher (oder Konsumenten) ihre Erfahrungen, z. B. über Produkte, Dienstleistungen oder Unternehmen im Internet mit anderen Verbrauchern teilen. Tatsächlich lebt das heutige Web 2.0, oft auch als Mit-Mach-Web bezeichnet, von den Rückmeldungen seiner Nutzer. Ein mittlerweile sehr bekanntes Beispiel ist das Reiseportal holidaycheck.de. Aber auch spezialisierte Dienstleister wie beispielsweise Ärzte, Zahnärzte, oder Rechtsanwälte müssen sich zunehmend den Bewertungen von Internetnutzern stellen.

(2) In der Shareconomy werden die Grenzen zwischen Produzenten und Konsumenten nach und nach verschwinden. Aus dem Consumer wird der Prosumer. Letzteres ist ein Kunstbegriff, der deutlich machen will, dass Menschen Inhalte nicht einfach nur mehr konsumieren, sondern selbst aktiv an der Gestaltung von Inhalten beteiligt sind. Nutzergenerierte Inhalte sind zum entscheidenden und festen Bestandteil in vielen Bereichen geworden. Beispiele von solchem nutzergeneriertem Inhalt sind Bewertungen, Kommentare, Rezensionen und grundsätzliche jede Art von selbst erstelltem Inhalt (gemeint sind also auch Statusmeldungen, Fotos, Texte etc.).

(3) In der Shareconomy spielt Unternehmensgröße nur noch eine kleine Rolle. Für die Unterstützung der Shareconomy notwendige Informations- und Kommunikationstechnologien (wie z. B. das Cloud Computing) stehen allen Unternehmen unabhängig von deren Größe zur Verfügung. Die Eintritts- und Nutzungsbarrieren sinken – gerade auch für kleine und mittelständische Unternehmen.

(4) In der Shareconomy lösen sich die Grenzen zwischen Private, und Beruflichem weiter auf. Wir spüren es doch schon heute: Wir sind immer und überall online und damit erreichbar. Die Verquickung von Offline-Welt und Online-Welt schreitet mit atemberaubender Geschwindigkeit voran. Eine saubere Trennung von Privat- und Berufsleben wird immer schwieriger. Die zunehmende Bedeutung der Work-Life-Balance für Mitarbeiter und Angestellte sind Ausdruck dieser Diskussion.

(5) Für die Shareconomy passen auch viele unserer Rechtsrahmen nicht mehr so richtig. Datenschutz, Verbraucherschutz, gewerblicher Rechtsschutz, Arbeitsrecht – die Shareconomy braucht neue politische Ansätze. Auch dies ist intuitiv eigentlich sofort nachvollziehbar. Die in letzter Zeit intensiv geführten Diskussionen, z. B. rund um die angekündigten Google Glasses oder das Leistungsschutzrecht, zeigen deutlich, dass hier viele neue Aspekte am Horizont auftauchen, die nicht nur technologie- oder anwendungsspezifisch, sondern auch gesellschaftspolitisch diskutiert werden müssen.


Video: Praxisbeispiele der Shareconomy (Quelle: YouTube).

Fakten, Fakten, Fakten

Warum teilen wir aber und wer teilt gerne und wer weniger? Solche Fragen hat das Schweizer Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) in seiner brandaktuellen Trend-Studie "Sharity: Die Zukunft des Teilens" untersucht, an der 1100 Personen teilgenommen haben. Einige spannende Ergebnisse der Studie: Am liebsten teilen Menschen eigene Erfahrungen, insbesondere Reisetipps. Dicht danach folgen Rezepte, Bastelvorlagen, Bücher, Essen und Musik-CDs. Die Studie hat aber auch ergeben, dass die Bereitschaft zum teilen dabei aber sehr stark vom Wert des geteilten Gutes abhängt. Jemandem mehr als tausend Euro zu leihen, können sich nur sehr wenige Studienteilnehmer vorstellen. Ähnlich verhält es sich mit Bankkonten, Passwörtern, E-Mail-Accounts oder Zahnbürsten und Unterwäsche :-). Das Fazit der Studie: "In Zukunft werden wir noch mehr Dinge mit anderen Menschen teilen (müssen)".

Auch eine BITKOM-Studie bestätigt, dass das Teilen von Inhalten für immer mehr Menschen zur Selbstverständlichkeit wird. Immerhin 85 Prozent der Internetnutzer sind demnach offen für das Teilen von Inhalten. Für 83% der insgesamt 1000 Studienteilnehmer ist die Online-Verbreitung von Informationen zur Selbstverständlichkeit geworden. Mehr als die Hälfte glaubt, dass das Teilen zukünftig noch wichtiger wird. Auch die BITKOM-Studie bestätigt, dass vor allem persönliche Erfahrungen und Empfehlungen geteilt werden.

Fazit

Mit der Eröffnung der CEBIT 2013 rückte der Begriff Shareconomy in den Fokus von Fachbesuchern, Medien und Unternehmen. In diesem Blogartikel wurden – ausgehend von einer kurzen Begriffscharakterisierung – Auswirkungen der Shareconomy für Unternehmen skizziert und schließlich erste Studienergebnisse zum Thema vorgestellt.