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Facebook = Uncool = Tot?

Schlauen Sie sich auf

16.04.2013

Facebook = Uncool = Tot?

Anfang März sorgten Meldungen in der deutschen Presse für Furore, nach denen sich jüngere Nutzer zunehmend von Facebook verabschieden. In diesem Zusammenhang kam gleichzeitig schnell und sofort auch die Frage auf, wie wohl überhaupt und grundsätzlich die weitere Entwicklung von Facebook aussieht. In diesem Blogartikel möchte ich einige Gedanken zu diesem Thema aufgreifen und diskutieren.

Die aktuellen Meldungen

"Wird Facebook uncool?" fragte das Blog "Wallstreet Journal Tech" (WSJ Tech) am 4.März 2013 in einem Artikel. Der Grund der Frage: Eine Studie, die im Auftrag von Jacobs Krönung (ja, tatsächlich :-) durchgeführt wurde, kommt zu dem Ergebnis: Die verschiedenen Generationen – plakativ gesprochen: die Jungen und die Alten – unterhalten sich heute verstärkt in "Parallelwelten". In anderen Worten: Im Zentrum steht heutzutage die Kommunikation innerhalb der eigenen Generation, nicht die Kommunikation über Generationsgrenzen hinweg. Und genau hier liegt auch das Problem von Facebook, so die Studie, denn Facebook ist mittlerweile (anders als früher) eben keine Plattform mehr, in der sich nur noch die junge Generation tummelt, d.h. der von der jungen Generation nachgefragte geschützte Kommunikationsraum existiert nicht mehr. Dazu auch das Blog "Wallstreet Journal Tech": "Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene konnten in einem sicheren Umfeld untereinander kommunizieren – Ältere blieben überwiegend draußen. Inzwischen sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene auf Facebook lange nicht mehr allein. Zu den Mitschülern und Kommilitonen gesellen sich Lehrer, Professoren, Chefs, Eltern, Großeltern sowie Bekannte und Verwandte der eigenen Eltern." Die Konsequenz: Gerade junge Menschen (also Menschen, die jünger als 30 Jahre alt sind) weichen verstärkt auf alternative Kommunikationskanäle aus, um sich auszutauschen. Genannt werden dabei zum Beispiel immer wieder Tumblr und WhatsApp. Dass Google angeblich 1 Milliarde Dollar für WhatsApp bietet passt da auch gut ins Bild.

Die entscheidende Frage, die sich nun aber stellt: Hat Facebook überhaupt noch eine Zukunft? Und dies ist tatsächlich eine sehr wichtige Frage, gerade angesichts der unendlichen Aufwände und Investitionen, die Unternehmen heute in ihre Facebook-Präsenzen und die Gewinnung von Facebook-Freunden stecken. Und natürlich kann diese Frage heute nicht abschließend beantwortet werden. Trotzdem werden die Zukunftsperspektiven zuletzt von Facebook sehr intensiv diskutiert.

Schauen wir uns die wichtigsten Argumente einmal an. Nachfolgend jeweils drei Contra- und Pro-Argumente im kompakten Überblick und in einer zugegeben auch subjektiven Zusammenstellung (d.h. Andere mögen das anders sehen):

CONTRA Facebook

Argument #1: Die Hypekurve sozialer Netzwerke. Seit vielen Jahren sorgen die so genannten "Hype Cycles" der amerikanischen Beratungsgesellschaft Gartner für Diskussionen und reichlich Gesprächsstoff. Wikipedia beschreibt den Hype Cycle wie folgt: "Die Darstellung erfolgt [...] in einem Diagramm: Auf der Y-Achse ist die Aufmerksamkeit (Erwartungen) für die neue Technologie aufgetragen, auf der X-Achse die Zeit seit Bekanntgabe. Die Kurve steigt anfangs explosionsartig an, um dann nach einem Maximum ebenso stark zu fallen. Nach einem Zwischenminimum steigt die Kurve erneut an bis zu einem höheren Niveau der Beharrung." Die nachfolgende Abbildung 1 zeigt einen exemplarischen Hype Cycle:

Facebook_Hype_Cycle_1.png

Abbildung 1: Allgemeiner Hype Cycle.

Jetzt aber das Entscheidende: Dieser Hype Cycle muss für soziale Netzwerke - dies zeigt die Vergangenheit - abgewandelt werden. So erreichen soziale Netzwerke bislang nicht wirklich ein Plateau der nachhaltigen Produktivität (vgl. Abbildung 1) - auch Facebook meiner Meinung nach nicht. Stattdessen kommt es bei sozialen Netzwerken bislang immer zu finalen Abstürzen (vgl. Abbildung 2). Soziale Netzwerke wie MySpace oder aktuell in Deutschland auch SchülerVZ oder StudiVZ sind typische Beispiele. Dem folgend hat Facebook, trotz des wirklich beeindruckenden Wachstums in den letzten Jahren und der heutigen gewaltigen Nutzerzahl, eigentlich schon ausgedient. Irgendwann wird sicher der Punkt kommen, an dem Facebook vermutlich abstürzt.

Facebook_Hype_Cycle_2.png

Abbildung 2: Angepasster Hype Cycle für soziale Netzwerke.

Argument #2: Der Herdentrieb. Es kann (und muss) auch auf die Metapher der berühmtem Lemminge zurückgegriffen werden, die sich alle blind und naiv gemeinsam über die Klippe stürzen. Vorsicht! Auch Facebook kann es tatsächlich so ergehen. Denn verbreitet sich die Meinung, dass Facebook uncool ist, kann es sehr schnell zu einer schwer aufzuhaltenden Kettenreaktion kommen. Die Vermutung: Jeder Nutzer der geht, nimmt gleich zwei oder fünf oder mehr weitere Nutzer mit. Und: Wenn selbst die Bild-Zeitung schon darüber berichtet, dass Facebook "uncool" ist, dann ist schon viel kaputt!

Argument #3: Der Aktienkurs. Der Aktienkurs von Facebook kannte seit dem Börsengang im Mai 2012 eigentlich nur einen Weg – den nach unten. Mit dem Ausgabekurs der Facebook-Aktien von 38 Dollar wurde Facebook am Tag des Börsengangsmit 104 Milliarden Dollar bewertet. Seit dem hat sich viel getan. Aktuell (16.April 2013) steht der Kurs der Facebook-Aktie bei knapp 27 Dollar (nach einem zwischenzeitlichen Absturz auf sogar unter 20 Dollar), was mittlerweile einem deutlich geringeren Börsenwert entspricht. Immer wieder wird darüber spekuliert, dass der schwache Aktienkurs letztlich nur ein Zeichen für das große Misstrauen von Investoren ist, was die Zukunftsperspektiven von Facebook anbelangt.

PRO Facebook

Argument #1: Google. Es klingt paradox (und ist es auch in gewisser Weise). Der nachhaltige Erfolg von Google, basierend auf fortwährenden Anpassungen und Erweiterungen des eigenen Geschäftsmodells, kann einen sinnvollen Orientierungsrahmen und Erfolgsfaktor für Facebook darstellen. Google und Facebook sind zwar große Konkurrenten, aber Facebook kann auch viel von Google lernen. Schafft es Facebook neue clevere Formen der Kommerzialisierung seiner Angebote zu entwickeln (z. B. im Bereich personalisierter Werbung), dann stehen alle Ampeln auf grün.

Argument #2: Geld. Durch seinen Börsengang ist Facebook mit einer beeindruckenden Kapitaldecke ausgestattet. Dieses Geld kann natürlich – gutes Management und sinnvolle strategische Entscheidungen vorausgesetzt – äußerst sinnvoll eingesetzt werden. Schafft es Facebook, ähnlich wie Google, das eigene Geschäftsmodell fortlaufend anzupassen bzw. zu erweitern, kann Facebook langfristig zum (einzigen?) großen Konkurrenten von Google aufsteigen.

Argument #3: Mobile Werbung. Werbung auf mobilen Endgeräten wird immer wichtiger. So schreibt die IT TIMES in einem Artikel vom 11.April 2013: "Insgesamt wuchsen die Mobile-Werbeausgaben in den USA in 2012 um 88 Prozent auf insgesamt 4,5 Mrd. US-Dollar, nach 2,4 Mrd. Dollar in 2011. Für 2013 erwarten die IDC-Analysten ein weiteres Wachstum von 55 bis 65 Prozent, wobei die Mobile-Werbeausgaben dann ein Volumen von 7,0 Mrd. US-Dollar erreichen könnten. Insgesamt stieg der Anteil der Mobile-Werbeanzeigen am gesamten Mobile-Werbemarkt um acht Prozentpunkte auf 39 Prozent in 2012. Auf herkömmliche Mobile-Werbeanzeigen entfielen in 2012 1,7 Mrd. US-Dollar." So wie es aussieht, kann sich Facebook ein gutes Stück des stetig wachsenden Kuchens "mobile Werbung" einverleiben. Aktuelle Facebook-Produkte wie "Facebook Home" zielen ja ebenfalls stark auf die verstärkte Kommerzialisierung mobiler Nutzungsszenarien ab.

Was tun?

Bei insgesamt schon mehr als 1 Milliarde Facebook-Nutzern bleibt Unternehmen, auch kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU), Stand heute, nichts anderes übrig, als den bereits schnell fahrenden Facebook-Zug zumindest gut im Blick zu behalten. Facebook einfach zu ignorieren scheint gefährlich. Darüber hinaus kann es insbesondere Sinn machen, auch alternative soziale Plattformen nicht aus den Augen zu verlieren. Pinterest und Tumblr scheinen hier beispielsweise vielversprechende Optionen darzustellen. Auch Twitter sollte keinesfalls vernachlässigt werden. Aktuelle Firmenkäufe von Twitter (z. B. des Musikdienstes "We are Hunted") lassen darauf schließen, dass die Transformation von Twitter in eine weltweite Multimedia-Plattform voll im Gange ist. Will heißen: Einfach nur zu tweeten scheint eher ein Auslaufmodell zu sein. Eigene integrierte Inhalte mit Text, Fotos, Videos und anderen Multimediaelemente scheinen dagegen immer wichtiger zu werden.

Zusammenfassung

Anfang März zogen verschiedene Meldungen die Aufmerksamkeit auf sich, nach denen sich jüngere Nutzer zunehmend von Facebook verabschieden. Es kam die Frage auf, wie die weitere Entwicklung von Facebook aussieht. In diesem Blogartikel habe ich einige Gedanken zu diesem Thema aufgegriffen und diskutiert.