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Interview: Suchmaschinenoptimierung - 7 Fragen an Karl Kratz

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15.01.2013

Interview: Suchmaschinenoptimierung - 7 Fragen an Karl Kratz

Das Interview

BM: Lieber Karl, du bist einer der bekanntesten Experten für Online-Marketing und Suchmaschinenoptimierung in Deutschland. In diesem Interview möchte ich gerne die Suchmaschinenoptimierung (SEO) thematisieren. Im Netz ist ja sehr viel zum Thema SEO zu lesen. Es gibt zumindest gefühlt unendlich viele Blogartikel mit SEO-Tipps und SEO-Informationen. Was es aber nicht bzw. kaum zu lesen gibt, sind Informationen dazu, wie man am besten bei einem SEO-Projekt konkret für eine Webseite vorgeht. Wie und wo würdest du ein SEO-Projekt beginnen? Was sind aus deiner Sicht die ersten Stellschrauben, bei denen es anzusetzen gilt? Und warum?

KK: SEO-Projekte beginnen idealerweise auf der Basis eines ordentlichen Online-Marketing-Konzepts. Wenn dieses nicht vorhanden ist, dann sollten SEO-Projekte nicht beginnen. Das beginnt bei einer angemessenen Analyse über eine konkrete Zieldefinition bis hin zur Strategieauswahl. Wer diese „langweiligen“ Hausaufgaben nicht macht, wird ineffizient sein. Und Ineffizienz können sich die wenigsten leisten.

BM: In Deutschland und den USA hat man unterschiedliche Auffassungen dazu, wie ideales SEO aussieht. SEO in Deutschland wird oft als sehr aggressiv charakterisiert, der einfache Weg wird manchmal dem richtigen Weg vorgezogen, d.h. die eingesetzten Werkzeuge und SEO-Methoden reizen die von Google vorgegebenen Richtlinien mehr aus als vorgesehen. Dies wurde ja auch schon von Matt Cutts von Google an verschiedenen Stellen thematisiert. Was können deutsche SEO-Experten von amerikanischen Kollegen lernen? Und natürlich auch umgekehrt: Was können amerikanische SEO-Experten von ihren deutschen Kollegen lernen?

KK: Was die amerikanischen von den deutschen Kollegen (und umgekehrt) lernen können: Werthaltigere Inhalte produzieren, die aus differenzierten Bedürfnissen heraus entwickelt werden. Ich bin der Meinung, dass das an keine besondere Regionalität gebunden ist. Menschen sind Menschen, ihre grundlegenden Aufgaben und Problematiken sind ähnlich. Eventuell werden Entwicklungs- oder Erfahrungsunterschiede zwischen Communities in unterschiedlichen Ländern beobachtet, allerdings sind diese regelmäßig temporärer Natur.

BM: Dazu eine ergänzende, bewusst auch provokant formulierte Frage: Setzen viele SEO-Methoden nicht an der extrem aufwändigen Optimierung der letzten 10% Optimierungspotential an? Anders gefragt: Reicht im SEO nicht oft auch die 90%-Lösung? Oder muss es immer die 100%-Lösung, also die bestmögliche Lösung sein?

KK: Wenn es für einen Suchbegriff 101 Suchmaschinenresultate gibt, dann finden sich Menschen mit einem 90%-Ansatz in einem kompetetiven Umfeld rein mathematisch auf Seite 2 wieder ... ;-) Im Ernst: Wer nicht bereit ist, 100% Leistung und Präzision zu investieren, hat in umkämpften Bereichen auf Platz 1 – 10 nichts verloren. Abgesehen davon wird bei einem 90% Ansatz JEDER zu Deinem Mitbewerber, der auch nur 1% mehr einsetzt. Grundsätzlich leiten sich die einzuset-zenden Methoden ohnehin von der Analyse, Zielsetzung und Online-Strategie ab. Wer hier sauber arbeitet, dem stellt sich die Frage des 90%-Ansatzes ohnehin nicht.

BM: Wie oben schon erwähnt, die Informationsmenge zum Thema Online-Marketing und Suchmaschinenoptimierung ist nahezu unüberschaubar. Wie bleibst du up to date?

KK: Ich lese grundsätzlich viel, gerne, schnell und intensiv. Das ist eigentlich auch meine Empfehlung an meine Leser: Trainiert Speed-Reading. Haltet euch nicht mit Redundanzen auf. Sucht euch die besten Quellen im Netz, die ihr bekommen könnt. Lest nicht nur die Mainstream-Blogs sondern auch die „Kleinen“. Macht zusätzlich zu eurer Weiterbildung mit anderen Unternehmen „Sessions“ ... lasst euch die Problemstellungen der Inhouse-Online-Marketer erklären und helft mit eurem „externen“ Wissen und eurer externen Sicht. Das erweitert euren Horizont und eure Gesprächspartner erhalten dafür eine faire Gegenleistung.

BM: Besonders intensiv wurden in 2012 die aufkommende semantische Suche und auch die sozialen Suche diskutiert. Damit einhergehend wurde öfters auch das Ende des klassischen SEO kolportiert. Anders herum gefragt: Wie sieht SEO im Jahr 2018 aus, also in fünf Jahren?

KK: Du bist mir lustig. Ich wage noch nicht einmal eine Prognose bis zum nächsten Frühstück und dann kommst Du mir mit einem Blick 5 Jahre in die Zukunft! Eventuell gibt es in 5 Jahren gar keine monolithische Suchmaschine im klassischen Sinn mehr. Vielleicht ist bis dahin ein komplettes Umdenken eingetreten ... Informationen formieren sich relevanzbasiert sanft um implizit formulierte Bedürfnisse. Ein Anachronist, wer da noch von Rankings spricht!

BM: SEO ist gerade für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) immer noch oft ein Buch mit sieben Siegeln. KMU haben insbesondere oft auch große Angst vor teuren und/oder aufwändigen Maßnahmen. Warum ist das so? Was würdest du KMU als Antwort auf diese Zweifel mit auf den Weg geben?

KK: Angst und Zweifel sind grundsätzlich schlechte Ratgeber. Grundsätzlich gilt: Analyse, Zielsetzung, Strategie-Entwicklung. Auf dieser Basis gibt es schlicht und ergreifend keine zu teuren oder zu aufwändigen Maßnahmen. Der Umfang des Ressourcen-Einsatzes begrenzt sich durch die Methoden und Operationen, die von der Online-Marketing-Strategie abgeleitet werden. Wer dann noch jammert, „dass das alles so teuer und aufwändig sei“, hat schlicht und ergreifend seine Hausaufgaben nicht gemacht. Klingt hart. Ist auch genauso gemeint. Mit ein wenig Zeit, Ruhe, klarem Kopf, guten Werkzeugen und einem planvollen Vorgehen lassen sich sehr mächtige Online-Marketing-Strategien erzeugen, die eben nicht „teuer“ sind.

BM: Letzte Frage: Dein neuer Ansatz zur Optimierung der Suchwortdichte, bekannt unter der Formel WDF*P*IDF, hat ja für Furore in der deutschen SEO-Szene in 2012 gesorgt. Ist die noch stärkere formale, mathematisch geprägte und damit objektivere Suchmaschinenoptimierung ein Zukunftstrend – gerade im Vergleich zu häufig propagierten Trial-and-Error-Methoden?

KK: Puh. Gleich vier falsche Annahmen in einem einzigen Satz! Lass uns das bitte kurz richtigstellen: 1. Das ist kein neuer Ansatz, die Berechnungsmethoden kommen in der Fachliteratur seit 1972 vor. 2. Es geht nicht um die Suchwortdichte sondern um die Termgewichtung. Wer bereits an dieser Stelle nicht präzise unterscheidet, dem fällt auch das restliche Modell schwer. 3. Der „Korrektur-Faktor“ P ist unnötig, da er in der Praxis grundsätzlich nicht vorkommen kann bzw. sollte. 4. „Furore“ ist übertrieben. Eventuell hat das Modell für ein wenig Dissonanz gesorgt, aber die Menge an realen Beispielen sollten mittlerweile auch den letzten Zweifler überzeugt haben. Deine Frage zielt auf das „wissenschaftliche Arbeiten“ bei der Suchmaschinenoptimierung ab. Ich sehe in der Kombination aus „Aufarbeitung bekannten Wissens im Bereich des Information Retrieval“ und sehr wohl „Trial-and-Error“ einen gültigen Weg, um neue Erkenntnisse zu erlangen.

BM: Lieber Karl, herzlichen Dank für dieses Interview.

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